Angekommen in der Weltspitze

EUROPAMEISTER IM MADISON

Pushbiker Moritz Augenstein ist nach seinem WM Sieg im Oktober nun auch Europameister im Zweiermannschaftsfahren. Zusammen mit Routinier Roger Kluge fährt er ein taktisch kluges Rennen auf der Bahn im türkischen Konya, bei dem die beiden schon in der ersten Rennhälfte viele Punkte in den Wertungssprints holten und den ersten entscheidenden Rundengewinn einfahren konnten. Am Ende wurde es ein souveräner Sieg mit unglaublichen 30 Punkten Vorsprung vor den Teams aus Portugal (55 Punkte) und Belgien (38 Punkte).

Rückblick: Noch sechs Tage vorher musste Moritz Augenstein seinen Start bei den Six Days Weekend in Berlin gesundheitsbedingt kurzfristig absagen. Eine Magen-Darm-Erkrankung erwischte ihn direkt vor dem Start, auch sein Partner Roger ging an Tag 2 der Six Days nicht mehr an den Start. „Die Ausgangslage war alles andere als ideal“, sagt Moritz. Mit dem Bundestrainer hatte er vereinbart, am Dienstag über eine mögliche Teilnahme an der EM zu sprechen. „Aber ich bin dann doch am Montag schon in die Türkei geflogen, um nicht die Reise-Belastung während der Genesung zu haben“, so Augenstein.

Gut gefühlt habe er sich auch bis vor dem Start nicht; die Beine schwach, der Puls war relativ hoch, auch die Trainings verliefen nicht gerade. Aber für Moritz und Roger stand fest: „Das Ziel war eine Medaille. Aber dass wir diesen Titel so überlegen gewinnen konnten, das hätte ich nie gedacht“, fasst Kluge zusammen.

Im Rennverlauf zeigt sich, wie sie ihren Plan umsetzen konnten: In der ersten Hälfte immer dabei sein bei den Punktesprints und nicht so weit hinten halten wie bei der Weltmeisterschaft in Cali – „denn das hatte uns im Madison bei der WM das Genick gebrochen“, sagt Augenstein. Von Anfang an sammelten augenstein/ Kluge viele Punkte in den Wertungssprints und erzielten noch vor Rennhälfte als einziges Team einen Rundengewinn, der sie an die Spitze des Klassements brachte. Ein weiterer Rundengewinn kurze Zeit später ließ die Konkurrenz nur noch aus der Distanz folgen.

„Der erste Rundengewinn war der Moment, an dem wir wussten: wir können gewinnen. Denn wir mussten beide nicht wirklich tief gehen, während die anderen Teams sehr litten.“

Große Freude herrscht bei den Pushbikers über diesen Auftakt der Saison 2026. „Man merkt, dass Moritz seit 2025 bei uns Ruhe und Sicherheit gefunden hat. Stabilität und Rückhalt sind wichtig“, weiss Teamchef Christian Grasmann. „So ist er zu dem kompletten Rennfahrer geworden, den wir nun erleben und der seine Leistung auf den Punkt abrufen kann. Er ist aus meiner Sicht Vorbild für alle Nachwuchs-Athleten in Deutschland, da er nicht alleinig über die Kader-Struktur kommt.“ Chapeau, Moritz und Gratulation an Roger Kluge für den Sieg an seinem 40. Geburtstag.

„Es gibt natürlich Selbstsicherheit, zu wissen, dass ich mit einer nicht perfekt gelaufenen Vorbereitung solche Ergebnisse möglich sind. Das zeigt, wie konkurrenzfähig ich sein kann und darauf lässt sich noch einiges aufbauen. Da kann ich ganz getrost in die Zukunft schauen“, resümiert Moritz selbst, während er am frühen Morgen schon wieder im Flugzeug in Richtung Heimat sitzt.

Photo

— Arne Mill

— Paul Bohnert (Portrait)

Back