Light & Shadow

Die Tour de France ist das bekannteste Radrennen der Welt. „Le Tour“ stellt alles in den Schatten – auch andere Rennen wie die Sibiu Cycling Tour. Wie läuft eine Rundfahrt im Schatten der Tour? Eine Foto Reportage der Maloja Pushbikers.

Sibiu Cycling Tour

Ein Rückblick
der Maloja Pushbikers

Im Schatten der Tour de France findet Anfang Juli eine Rundfahrt in Rumänien statt, viele Kilometer entfernt der Strecken und dem Medienrummel von „La Tour“, aber mit Tradition, Ambition und einem hochkarätigen Teilnehmerfeld, darunter sechs World Tour Teams: die Sibiu Cycling Tour. Ein Blick auf die Startliste zeigt: Bora-hansgrohe, Jumbo Visma, Lotto Soudal, Cofidis, das Development Team von EF Education-Nippo. Knapp 500 Rennkilometer, vier Tage und fünf Etappen, am letzten Tag ist die Etappe in zwei Teile gesplittet, wie es oft im osteuropäischen Raum der Fall ist.

Das Konsulat der Bundesrepublik Deutschland ist Partner des Rennens, ebenso die deutschsprachige Wochenzeitung Hermannstädter Zeitung. Ein Wink zur Geschichte von Hermannstadt also auch beim Radsport. Insgesamt sieben deutschsprachige Teams sind gemeldet, darunter zum zweiten Mal in diesem Jahr auch die Pushbikers.

Geschichtsträchtig ist gleich zu Beginn die Kulisse des Prologs: das Astra Museum der traditionellen Volkskultur. Ein beeindruckender Ort außerhalb der großen Stadt, an dem Geschichte anhand traditioneller Gehöfte, historischen Kirchen aus Holz, Schmiede, Winzerhaus, Wegkreuzen und hölzernem Riesenrad gesammelt wird. Wenn hier in der Stille des Museums zwischen Bäumen und Bauwerken mehr als 120 Rennfahrer vorbei fahren, auf Jagd nach der Zeit, dann stellt sich ein Gänsehaut-Gefühl ein bei dieser Sibiu Cycling Tour. Auch wenn es nicht die große Tour de France ist.

Paul

„Die Rundfahrt war extrem in vielerlei Hinsicht.
Harte Berge, heisses Wetter, starkes Fahrerfeld.
Eine unglaubliche Landschaft und 1.200 km von der Heimat entfernt.“

„Wir wussten um die Wertigkeit dieses Rennens – was das Starterfeld und das Profil anbelangt. Und etwas Anspannung war schon zu verspüren vor dem Start. Denn wir wollten uns nicht verstecken, sondern mit Nadelstichen auf uns aufmerksam machen. Gemeinsame Ziele verfolgen bedeutete für uns: möglichst Top 10 Platzierungen einfahren.

Vier Tage, fünf Etappen. Jedes Mal Leiden bis zum Camper.“

(Max)

„Die “push, push, push”- Rufe über den Funk sind ein Zeichen für unseren Zusammenhalt. Ich einer Attacke dachte ich mir: “ich muss echt nur noch treten”, den Rest übernehmen meine Teamkollegen. Kein Zurückblicken und keine Nervosität durch die Gewissheit, falls jemand von hinten kommt oder ich etwas übersehe, geben sie mir Bescheid.“

(Max)

Es war – ganz klar – eine ereignisreiche, harte Rundfahrt für alle beteiligten Pushbikers. Auch wenn die vorher definierten Ziele nicht in Gänze erfüllt werden konnten, gibt es doch klare Highlights, die für die Entwicklung der Pushbikers sprechen. Auch im direkten Vergleich zum Ergebnis der Sibiu Rundfahrt in 2021.
Max Benz-Kuch wird 9. in der Gesamtwertung der U23. Filippo Fortin sprintet in einem umkämpften Finale bei der letzten Etappe auf Platz 11, nachdem sich das Feld verschätzt hatte und die kleine Ausreisser Gruppe vorne doch nicht mehr eingeholt wurde – Luft nach oben wäre gewesen. Bei der Königsetappe mit Bergankunft in den Karpaten auf über 2.000 Metern erreichte unser Australier Alex Evans den 18. Platz, konnte bis fünf Kilometer vor Balea Lac ganz vorne mithalten. Bei der ersten Etappe fährt Patrick Reissig auf Platz 22.

Am Ende der Sibiu Rundfahrt wird klar: dass Licht auch etwas mit Glück zu tun hat, und dass Schatten etwas ist, aus dem man lernt. Das Gänsehaut Gefühl jedoch bleibt, wenn wir um Nachgang die Bilder betrachten von diesen Tagen Anfang Juli. Dass Leiden leidenschaftlich sein kann, dass Radfahren ganz viel mit Qual zu tun hat, und dass man doch jedes Mal wieder aufs Rad steigen will. Für uns ist es: der schönste Sport der Welt.

Credits

Photo

— Tibi Hila
Fotograf

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