Wie viel Abenteuer passt in 65 Stunden Schweden? – gaaaanz viel!

Die Fems bei der Vätternrundan

Wie viel Abenteuer passt in 65 Stunden Schweden? – gaaaanz viel!

Sep 22, 2021

Die Vätterndundan: 315 Kilometer. Eines der bekanntesten Rennen in Schweden. Mit bis zu 900 Teilnehmern.

Landschaftlich ein wahres Erlebniss und ein „Muss“ für alle, die gerne lange Distanzen fahren. Die Wahl fiel unseren FEMs also nicht schwer. Viel hatten sie über dieses legendäre Rundfahrt bereits gehört – jetzt wurde es auch für drei Mädels zur Realität. HErausforderung: angenommen!

 

Donnerstag, 6:00 Uhr – Abfahrt 

Mit elterlichem Taxi und einer großen Portion Vorfreude, Nervosität und Aufregung und natürlich einem prall gefüllten Radkoffer sind wir Richtung Flughafen München gestartet, um nach Stockholm zu fliegen. Am Flughafen Stockholm angekommen waren wir dann schon komplett: Sabina, Betti und Marina.
Der Transfer an den Vätternsee, das Ziel unserer Reise, gestaltete sich nicht unbedingt so einfach wie gedacht, ein wilder Mix aus Bus und Zug, Fußmärschen und gescheiterten Mitfahrgelegenheiten war die Folge. Mit schweren Beinen und langen Armen vom vielen Radkoffer Ziehen, sind wir dann in der Unterkunft angekommen und nahezu fix und fertig in’s Bett gefallen.

Freitag: Renntag

Aufstehen, Frühstücken gehen… Halt, Frühstücken gehen ist in Skänninge ein Ding der Unmöglichkeit, weshalb uns Minna von unserem AirBnB ein Frühstück zubereitet hat. Nicht unbedingt reichhaltig und abwechslungsreich, aber genug um nicht sofort zu verhungern, haben wir begonnen uns die richtige Strategie für’s Rennen zurecht zu legen. Aber gibt es überhaupt eine richtige Strategie, bei einem Rennen über 315km? Als absolute Newbies auf dem Gebiet, war die Anspannung bei Marina und Sabina doch ziemlich groß. Als ob der erste Tag nicht schon kräftezehrend genug gewesen wäre, war der nächste Transfer nicht gerade einfacher. Mit Sack und Pack sind wir also wieder losgezogen Richtung Motala um dort unsere Startunterlagen zu holen und so langsam in Rennstimmung zu kommen. In Motala angekommen hieß es wieder einmal Koffer ziehen bis wir unsere Startunterlagen hatten und unser Gepäck abgeben konnten.

Am Nachmittag wurden dann die Räder aufgebaut – mitten am Parkplatz und im strahlenden Sonnenschein. Gott sei Dank war ein Servicemann nicht weit, sodass schleifende Scheibenbremsen gleich behoben werden konnten und so dem Start nichts mehr im Wege stand. 

Aus reisestrategischen Gründen haben wir unseren Start ein bisschen vorverlegt, nämlich auf 19.30 Uhr. Also schnell am Wachmann vorbei gemogelt und schwupps, standen wir schon im Startblock. Die Aufregung wurde immer größer, die vielen klatschenden und begeisterten Zuschauer im Startgebiet waren aber ein echtes Highlight.

19.29: noch eine Minute! Gedankenkreisen in unseren Köpfen: Schaffen wir 315km? Wie verkraften wir die lange Fahrt? Werden wir eine Gruppe finden? Wie ergeht es uns beim Fahren in der Nacht?

Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020

19:30 Uhr, der Startschuss fällt, wir fahren los und die Nervosität verfliegt. Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug, die schöne Landschaft und die untergehende Sonne taten ihr Übriges. Aber wie es immer so ist, hat uns die Defekthexe leider nicht verschont. Sabinas Steuersatz tat absolut nicht das, was er tun soll und lenken war teilweise eher in der Harakiri-Methode möglich. Leider ließ sich das Problem nicht an der zweiten Verpflegungszone beheben, weshalb sie in Jönköping das Rennen beenden musste.

Aber: Bettis und Marinas Motivation wurde dann nur noch größer, sie mussten das Ding ja jetzt schließlich für alle drei rocken!

Zeitweise alleine, teils in Gruppen kämpften wir uns durch die Nacht, die Stimmung war weiterhin gut, nur die Temperaturen waren eher arktisch als tropisch. Von einem Tee zum nächsten, von einer Station bis zur nächsten, so strampelten wir um den Vättern, mal mehr mal weniger frierend, immer das Honigbrötchen bei der Verpflegungsstation bei km 274 im Auge.

Langsam, ganz langsam wurde es hell. Nebelschleier über den Feldern und die Motivation ungebrochen bis km 274. Und dann? Ja, nichts. Unser Frühstück lies auf sich warten. Knappe 10 km später haben wir uns dann mit Blaubeersuppe gestärkt um die letzten Kilometer in Angriff zu nehmen. Noch 40,… noch 30,…. „Wir haben’s fast geschafft!“. Noch 10 Kilometer, jetzt aber nochmal alle Körner auspacken. In wahrer Filippo Ganna-Manier sind die letzten Kilometer eher wie das Mannschaftszeitfahren bei einer WM angegangen worden, motiviert von den ganzen entkräfteten Radlern, auf die wir nach und nach wieder aufgefahren sind. Noch 1 km… noch 500m, wir sind schon im Stadtgebiet von Motala, wo am Vorabend alles angefangen hat.

Hände hoch, geschafft! 10:48h und 316km später waren wir wieder da. Nicht so müde wie erwartet, aber stolz wie Oskar!

Zum Glück blieb noch Zeit um zumindest ein paar Eindrücke von Stockholm mit nach Hause zu nehmen. Einen Tag später am Flughafen Stockholm, die Räder sind wieder eingecheckt und es ist Zeit das Abenteuer Revue passieren zu lassen. 

Um nochmal auf den Anfangsgedanken zurück zu kommen: Wie viel Abenteuer passt jetzt in 69 Stunden? –> Ziemlich viel, wenn man das Schlafen weglässt und stattdessen in schlaflosen Nächten um schwedische Seen strampelt. (:

Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020

Photos |Maloja Pushbikers Fem