Pushbikers Grand Tour: Teil III und Resümee

Okolo jižních Čech

Pushbikers Grand Tour: Teil III und Resümee

Sep 30, 2021

Erst einmal hiess es: Sacken lassen. Durchatmen. Wieder zu Hause ankommen. Für ALLE Beteiligten.

Unsere selbsternannte Pushbikers Grand Tour war vieles: Highlight & Herausforderung. Ganz große Emotion, Stolz & Enttäuschung. Eine Reise & ein Meilenstein. 1.975 Rennkilometer und über 5.500 Reisekilometer. Ein Saisonabschluss, von dem wir uns wünschten, das er der Beginn des Jahres gewesen wäre.

Was hatten wir uns vorgestellt? Und was was passierte auf Teil III der Grand Tour?
In Kurzfassung: Die Tour de Slovaquie. UCI Kategorie 2.1. Übertragen auf Eurosport. Allerhöchstes sportliches Niveau mit Radsport-Legenden. Und ein Auffahrunfall mit dem Begleitfahrzeug.

Logistisch, personell und für die Fahrer auch körperlich eine grosse Challenge, die es zu meistern galt

Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020

Tour de Slovaquie: Gelebter Radsport. Großes Kino

Was was passierte auf Teil III der Grand Tour?
In Kurzfassung: Die Tour de Slovaquie. UCI Kategorie 2.1. Übertragen auf Eurosport. Allerhöchstes sportliches Niveau mit Radsport-Legenden. Und ein Auffahrunfall mit dem Begleitfahrzeug.

Wieder begann die Tour mit einem Prolog: 1,6 km über Kopfsteinpflaster in Košice. Große Kulisse für große Namen. „Die Stimmung der Fans an der Strecke war von beginn an gigantisch“, war sich auch das Betreuerteam der Pushbikers einig. „Und dann die Namen unserer Fahrer über Lautsprecher und auf Eurosport zu hören, macht schon richtig stolz, ein Teil davon zu sein“, so Physiotherapeut Hannes Frauenlob. Gewonnen hat mit einer Zeit deutlich unter zwei Minuten Kaden Groves (Team Bike Exchange) vor Jannik Steimle (Deceuninck Quick Step); mit sieben Sekunden Rückstand fuhr Pushbiker Mikà Heming in dem hochkarätigen Feld auf Platz 47. Wer früh startete konnte sich auf der Massagebank den Rest des Prologs auf Eurosport ansehen. „Das war schon cool“, so Daniel Bichlmann. Youngster Laurin von Stetten beispielsweise wurde auf seiner Fahrt über die 1,6 Kilometer komplett auf Eurosport übertragen. „Na klar, ich hab mich mega gefreut und mir diese zwei Minuten im Nachgang auch noch angesehen. Primär hiess es für mich in dem Moment: Gucken, wie es läuft und durchkommen.“

Mit Teams wie Bora-hansgrohe, DSM, Deceuninck-Quick-Step, Israel Start-Up Nation, Bike Exchange oder Team Qhubeka Assos galt es in der Slovakei für die Pushbikers, in die Gruppen zu gehen, möglichst aufzufallen und wiederum von den „Großen“ zu lernen.

„Auch wenn bei der Slowakei Rundfahrt kein Spitzenplatz mehr drinnen war, konnten wir vor allem mit Corey Davis Akzente in den Finals setzen und waren zumindest dabei. Gegen eine so übermächtige Konkurrenz von  World Teams mit Namen wie Peter Sagen und Chris Froome war dies aber keine Blamage für uns, sondern ein riesengroße Ehre“ beschreibt Rupert Hödlmoser.

Wichtig für die Physiotherapeuten war es,  so zu behandeln, dass die Fahrer schnell regenerieren und sich auf die nächste Etappe bestmöglich vorbereiten können. Hierzu zählen auch Gespräche, die während und außerhalb der Behandlungen stattfinden. Mentales Coaching, den Kopf frei zu bekommen und den Fokus auf die nächste Etappe legen. Gerade bei Enttäuschungen gilt es, die Fahrer zu motivieren und nach Vorne zu sehen. Bei der Slowakei-Rundfahrt gab es keine gravierenden Stürze, aber normalerweise gilt es, kleinere Wunden zu versorgen, muskuläre Dysbalancen sowie z. B. Schwellungen mittels Lymphdrainage zu behandeln oder auch, da das Wetter bei der Slowakei-Rundfahrt eher nass und kalt war,  Probleme mit dem Rücken und Nacken zu beheben. 

 

„Als ob man Teil eines Blockbusters wäre. Eine Emotion, die jeden abholt „

Unvergesslich wird für das gesamte Team sicherlich die Stimmung bei dieser finalen Rundfahrt bleiben. „Die Zuschauer gehen so mit, das macht unheimlich Spaß“ sind sich alle einig. In seinem Heimatland war Peter Sagan wie ein Rockstar, ganz klar. Aber gefeiert wurde auch das gesamte Feld. Sagan-Plakate in Riesenformat überall, Trommeln, Musik, Maskottchen, alles war dabei. Aber auch als Einzelfahrer weit hinter der Spitzengruppe wurden die Fahrer noch angefeuert und bejubelt. „Einfach ein Wahnsinns-Spass und für mich gelebte Radsport-Kultur“, resümiert Road Captain Daniel Bichlmann.

„What did we expect & what did we achieve?“: Unser Resümee

Die großen Fragen kommen immer zum Schluss, und in diesem Fall kann sie nur heissen: Welche Erwartungen hatten wir für diese Pushbikers Grand Tour? Oder vielmehr: was haben wir aus diesen drei Wochen gelernt?

 

Erfahrung. Sportlich, logistisch, miteinander

Wir sind mit gemischten Gefühlen in die Grand Tour gestartet. Viele Fragen begleiteten uns in die erste Rundfahrt- was wird uns erwarten in drei Wochen non stop on the Road; vor allem aber: schaffen wir es überhaupt bis zur finalen dritten Rundfahrt? Und wir haben es geschafft. Daniel Bichlmann und Corey Davis fuhren alle 15 Renntage in den 21 Einsatztagen, Mikà Heming als dritter Fahrer aller Rundfahrten musste die Slovakei Rundfahrt wegen einer Verkühlung leider kurz vor Ende aufgeben.

Gerade zu Beginn der Grand Tour konnten die Pushbikers bei der Rumänien Rundfahrt mit drei Top Ten Platzierungen und Mikà Heming zwei Tagen im weissen Trikot sehr gute Akzente setzen. Erfolg bringt Motivation – und die braucht man zusammen mit einem langen Atem braucht für ein Projekt wie die Grand Tour. Wichtig für die Pushbikers wurde es auch, sich in diesem Rahmen realistische und erreichbare Ziele zu setzen, besonders was die sportliche Leistung anbelangt. Und als die Grand Tour beendet ist, zeigt sich bei den Fahrern nach etwas Regenerationszeit: die Form ist da. Was heuer renntechnisch nicht mehr genutzt werden kann, gilt es für das kommende Jahr einzuplanen: eine Grand Tour zu Beginn der Saison?

Logistisch war es ein große Herausforderung. Zwischen den Rundfahrten fuhr der Mechanikerbus zum Nachfüllen an Material in den Service Course nach Holzkirchen, da z.B. die Menge an Verpflegung für drei Wochen nicht Platz gefunden hätte. Und auch im täglichen Ablauf gilt: Organisation ist das halbe Leben“. Ein reibungsloser Ablauf erspart Ärger und Zeit – umso mehr, wenn es um einen dichten Rennkalender geht. Unverhofftes kommt immer. Die Berichterstattung über Social Media konnte nicht wie geplant stattfinden, da der Pushbikers Instagram Account anscheinend als Vorsichtsmassnahme deaktiviert wurde. Bei der Anreise nach Rumänien flog ein Vogel gegen die Winschutzscheibe des Mechanikerbusses, was Dank der Hilfe des Veranstalters kurzfristig in einer Werkstatt behoben werden konnte. Wegen eines Defekts an der Hinterbremse drohte unser zweiter Renndienstwagen in der Slowakei auszufallen – auch hier konnten wir bei Mercedes in Kosice einen Termin bekommen, um in zwei Stunden unmittelbar vor der ersten Etappe wieder startklar zu sein. „You are nice guys, you drive a Mercedes, that’s a present from us to you. All the best for the Slowakia Tour!“ waren deren Worte. Geteilte Werte schaffen Freundschaften, immer wieder und vor allem auf Reisen.

Neben der sportlichen Leistung zählt die Leistung als ein Team: miteinander agieren, reibungslose Abläufe schaffen und auch in intensiven Zeiten die Kommunikation zu stärken. Das bedeutet auch, dass man über Negatives lachen kann, sich gegenseitig für den nächsten Tag motiviert, zusammenrückt. Eine Lektion, die Fahrer und Betreuer lernen konnten. Und was hat das Herz gelernt? „Noch einmal mehr Herzblut reinstecken. Wir sind ein Team und wir wollen gemeinsam Großes erreichen!“

Man muss das wirklich wollen

Anstrengung zeigt sich.

1.975 Rennkilometer in drei Wochen. Bei den Fahrern, die alle Rennen bestreiten, wird deutlich: man baut ab. Mit nur zwei Tagen Regenerationspause zwischen den Rennen werden die Renntage am Ende „zum Kampf“, der Appetit weniger und auch der Schlaf in der Nacht schlechter.

Aber auch für das Betreuerteam der Pushbikers war die Grand Tour ein Kraftaufwand, mit Arbeitstagen die schon vor dem Frühstück um sieben beginnen und spät am Abend enden. Die dauer einer Etappe sagt nicht viel aus über den Arbeitsaufwand, der dahinter steht. Es beginnt mir Porridge machen, über die Planung der Buffet-Zonen, Herrichten der Trinkflaschen, Verteilung der Verpflegung in die Busse und das Begleitauto. Sitzen die Fahrer auf dem Rad, gilt es für die Betreuer weiterhin den Überblick zu haben – wer bekommt welche Trinkflasche, wer übernimmt die Zielbetreuung, den Transfer ins Hotel inklusive Snack usw. Kaum ist das Team im Hotel angekommen, stehen die Massagen für die Physios an und das Reinigen und Kontrollieren der Räder für den Teammechaniker. Und so ist es der Staff, der als Letztes beim Abendessen ist und am frühsten aufsteht. Sich selbst zurückstellen zugunsten des Gesamten – das muss man mit Überzeugung und Leidenschaft tun.

 

Was bleibt

„Irgendwie ist es jetzt danach wie ein emotionales Loch“, erklärt uns Daniel Bichlmann. „Man bereites sich lange auf eine solche Herausforderung vor, man trainiert, man packt seine Sachen. Während der Rennen – in diesem Fall drei in unmittelbarem Anschluss – ist eine tägliche Routine drin. Und irgendwann ist das dann alles weg. Und man selbst fühlt sich ein bisschen „Auftrags-los“.  Da sind wir wieder bei einer gewissen Sinn-Frage. Welchen Sinn hat Radsport, die Quälerei, die Höhen und Tiefen, der Gegenwind, die Konkurrenz und so weiter und so fort. „Für mich ist das das Größte“, gibt Daniel die Antwort.

Unsere Grand Tour ist ein gelungener Abschluss für 2021. Sie war für alle das letzte Rennen dieser Saison, für manchen das letzte Rennen der Saison und für manche gar das letze Rennen überhaupt.

Wenn man etwas mit Leidenschaft macht, hat man bereits gewonnen, das war immer das Credo der Pushbikers. Und auch nach unserer großen Reise kommen wir dahin zurück – und möchten mit diesem Bekenntnis und allen gewonnen Erfahrungen 2022 weitermachen.

 

Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020

„Man muss reisen, um zu lernen.“

Wir geben Mark Twain recht und bedanken uns bei allen Beteiligten und Förderern, die diese Reise mit und für uns möglich gemacht haben. Ein besonderer Dank geht neben unseren Fahrern Dani, Corey, Mikà, Tim, Laurin, Paul, Tobi, Michal und Franz an unseren Staff : Sebastian, Gunther, Rupi, Viola, Johanna, Hannes, Anton, Fabian und Christian – für den Einsatz und viele, viele Arbeitsstunden vor, während und nach den Rennen. Ihr seids der Wahnsinn.

Am Ende können wir sagen, wenn wir im nächsten Jahr die Möglichkeit wieder bekommen, ein solches Projekt umzusetzen, werden wir uns erneut trauen. Auch wenn der Aufwand enorm ist, so ist doch der Benefit,  den wir daraus gewinnen konnten, eine enorme Bereicherung.

 

Photos | Urs Golling, Mario Stiehl, Maloja PushbikersIllustration I Ekatarina Skidanenko-Hödlmoser

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