Challenge Ciclista Mallorca: Von Zielen, Rückschlägen und Erfahrungen

Ein Recap der Maloja Pushbikers

Challenge Ciclista Mallorca: Von Zielen, Rückschlägen und Erfahrungen

Mai 22, 2021

Dass wir die Chance erhalten haben, bei der Challenge Ciclista Mallorca zu starten, war eine große Ehre. Im Rückblick sind wir stolz darüber und auf unsere Pushbikers. Die vier aufeinander folgenden Tagesrennen haben unseren Road Fahrern sportlich viel abverlangt, aber auch viel geboten.
Vor und nach den vier Renntagen zeigte sich in den Gesichtern: Vorfreude und Aufregung, Anspannung und Erschöpfung, Leere. Manchmal auch Augenblicke, in denen man das Erlebte alleine verarbeiten muss. Aber auch Lachen, Gemeinschaft, Glück und Gewissheit. Es sind Momentaufnahmen, die uns als Team begleiten werden und immer wieder auf den Boden der Realität bringen. Das Hier und Jetzt: wozu ist die Mannschaft bereits fähig, und was steht uns noch bevor?
Eines steht fest: steile Wege motivieren!

” It was pretty exciting – especially for me thinking that 2 years ago I still was in U19 category and the World Tour looked incredibly far to experienc in any way. But here we were: riding next to big teams and names. “

(Michal)
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020

Ziele, Abenteuer, Road Trip und Renn-Realität

Gehen wir einen Schritt zurück. Vieles lief für die Pushbikers in der Vorbereitung nicht optimal und führte dazu, dass die Mannschaft in bestimmter Hinsicht nicht aus dem Vollen schöpfen konnte. Das Line-Up wurde auch von Ausfällen geprägt, die auf Verletzungen oder Quarantäne-Anordnungen zurückgehen. Rupert Hödlmoser entschied sich also für einen sehr jungen Kader: Mit Mikà Heming, Laurin von Stetten, Tim Wollenberg, Michal Galka und Franz Schlachter gingen fünf junge Sportler im U23 Bereich an den Start, zusammen mit Corey Davis. Das es für diese Mannschaft kein Zuckerschlecken wird, war absehbar. Aber die Erfahrungen in diesem elitären Feld wollten wir für das Team sammeln und auch den Fahrern bieten. Wir wollten wissen, wie arbeiten die besten Teams der Welt; das Lehrgeld waren wir bereit zu zahlen. 
Von Anfang an war Mallorca auch ein bisschen mehr als nur ein Renneinsatz. Eine Reise gen Süden. Verlockend auch abseits des Radsports. Und so entschied sich Teamchef Christian Grasmann, die Kaffemaschine in das Mercedes Benz Teamauto Baujahr 1986 mit dem Namen “Lude” zu packen und sich 1.600 Kilometer in Richtung der Insel auf den Weg zu machen. Dabei-Sein und selbst die Reise zu diesem großen Rennen als Erlebnis und Bereicherung zu verstehen.
Der erste Eindruck, als Rupert Hödlmoser im Pushbikers Team Bus von Barcelona aus auf die Fähre fährt: man wird erschlagen von der Größe der World Tour Team Fahrzeuge. “Untermotorisiert” – nein; aber etwas Under Dog auf einer großen Bühne.

“Ich wusste schon im Vorfeld, dass es dort hart für mich wird. So wie es ein harter Weg sein wird, um Profi zu werden, denn wenn es leicht wäre würde es ja jeder schaffen. “

(Laurin)

Das  Ziel der Pushbikers war es, UCI Punkte zu holen – denn in einem UCI.1 Rennen wie diesem gibt es erheblich mehr zu holen. Der Fokus lag auf den ersten drei Rennen, Chancen rechneten wir uns für unseren in der Schweiz wohnenenden US Amerikaner Corey Davis. Da es sich trotz Gesamtwertung um vier Eintagesrennen handelt, spielte den Pushbikers in die Karten, denn auch im Falle des Ausfalls bei einer Etappe darf der Fahrer am folgenden Tag wieder starten.

Am ersten Tag wurde die Mannschaft von dem Leistungslevel komplett überrascht. Das Rennen wurden auf den verwinkelten Straßen im Gebirge Mallorcas von Beginn an hart ausgefahren – zwar hatten wir dies im Vorfeld besprochen, aber so nicht erwartet. Somit bekamen wir bereits am ersten Tag die Realität der absoluten Champions League Fahrer knallhart präsentiert.

 

Am zweiten Tag waren die Pushbikers besser vorbereitet – und konnten sich auch lange im Spitzenfeld halten. Die erhofften UCI Punkte und ein Erreichen des Ziels in der Spitzengruppe gelang unserer Mannschaft jedoch dieses Jahr nicht.

 

“Man darf nicht schon mit dem Gedanken ins Rennen gehen, eh am ersten längeren Berg abgehängt zu werden. Das ist auch Kopfarbeit, die noch zu leisten ist.”

(Tim)
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020
Deutsche Strassenmeisterschaft 2020

“The main thing I learned from the four race days is that I should be more self confident. Also I was too cautious and not willing to risk ut all for a result, instead I rode too conservative. It would have been better to try and “blow up” on the climb instead of staying inside my comfort zone, because then at least I tried and know it.”

(Corey)

Am Ende lässt sich sagen: die Pushbikers haben gelitten, gekämpft und nicht das erreichen können, was man sich erhofft hätte. Dennoch aber haben wir als Continental Team vieles mitgenommen. Wir haben gesehn und gelernt, dass der Weg zur Weltspitze ein entbehrlicher ist, den nur die Wenigsten schaffen werden. Wir möchten diesen Weg aber weiter gehen: gemeinsam als Team, als Mannschaft, als Freunde. Freund die zueinander stehen, in Zeiten des Erfolgs und der Enttäuschung. All das müssen wir lernen, erfahren und durchleben.

Danke an unsere sechs Fahrer Corey, Tim, Franz, Laurin, Mikà und Michal sowie an unseren Staff Rupert, Patrick, Seb und Johanna. We ride to live – und werden 2022 mit unseren besten Möglichkeiten wieder nach Mallorca kommen !