Stillstand. Standstill. Rückzug und Aufbruch

Stillstand.

Was passiert, wenn man nicht das tun kann, was man sonst tut? Wenn die Räder sich nicht drehen, wenn das Telefon nicht klingelt, wenn wenige Emails eintreffen und keine Kunden eintreten.

Wie kann Stillstand aussehen für ein Radteam, dass per se auf Bewegung ausgelegt ist?

Überlegungen, die sich für die Pushbikers normalerweise nie stellen würden. Aber plötzlich waren sie da, nicht nur im Kopf, sondern in der Realität. Corona schlich sich in das tägliche Leben im Pushbikers Headquarter ein, erst zögerlich, und dann wie mit einem Paukenschlag. Auch wir mussten reagieren, mussten reduzieren und runterfahren.

Am Anfang räumt man auf und nutzt Zeit für das, was liegen geblieben ist. Bis alles ordentlich ist, aber wenig Anwendung findet. Werkzeug, mit dem man nicht schraubt, ein Teambus, der nur steht. Ruhe statt Trubel, nur selten kommt eine Materiallieferung. Von Rennbetrieb unserer Fahrer ganz zu schweigen.

„Standstill“ und „Lockdown“: zwei englische Begrifflichkeiten für einen neuen Status,  der ab März auch auf unserem Hof, in der Werkstatt und im Shop Einzug hielt. Von „neuer Realität“ ist vielfach die Rede in den Alltagsmedien, ein Szenario, das uns alle längerfristig begleiten wird.

Aber wie gehen wir damit um?

 

Radfahren verändert das Leben. Dessen sind wir uns sicher. Und das wird auch in diesem Frühjahr umso deutlicher, wenn alles das, was für ein Team wie unseres zum Radsport dazu gehört, nur begrenzt möglich ist.

Wir bemühen uns um einen regen Kontakt zu unseren Fahrern, versuchen, die Motivation aufrecht zu halten. Wir besinnen uns auf unsere Grundwerte. Was sind die Pushbikers und was können wir jetzt tun, damit es uns und unserem Umfeld gut geht – und wie können wir unserem Team eine möglichst gute Zukunft sichern? Den Blick nach vorne werfen und nach innen. Zuversicht üben und Spirit aufbauen. Uns nicht einmauern, sondern kommunizieren.

Und so entwickeln sich die ersten Projekte.

Wir beginnen mit der Gesprächsrunde „The Lost Schedule“ und lassen unsere Rennfahrer zu Wort kommen. Was erleben sie, wie trainieren sie ohne feste Ziele? Es tut gut, wenn man sich austauscht. Und erfreulicherweise bekommen wir gutes Feedback darauf.

Während um uns herum die Radszene plötzlich auf der Rolle mit digitaler Unterstützung trainiert und sogar Rennen am Bildschirm ausgerufen werden, ist für uns ganz klar: Radfahren gibt es nur echt oder gar nicht! Wenn wir nicht gemeinsam mit anderen fahren können, überlegen wir uns „Beat the Pushbikers“: Aus unserem Erfahrungshorizont suchen wir mit den Fahrern mehrere Strecken aus, die Yannik, Tobi, Matthias, Tim, Franz und Betti jeweils selbst fahren und via Strava für jeden, der die Zeiten jagen mag, zur Verfügung stellen. In der Realität fahren und dies digital zu verbreiten erscheint und ein gangbarer, spannender Weg (einige KOMs wurden abgejagt!).

In Holzkirchen bildet sich zuammen mit unseren Freunden vom Biketeam Teufelskerle und der Metzgerei Kleeblatt schnell eine Inititative, um Lebensmittel mit dem Rad oder der Rikscha nach Hause zu liefern zu denen, die in Covid 19-Zeiten nicht oder nur schwer in die Geschäfte gehen können. In München fährt Tobi Hornstein Bestellungen des für Kunden geschlossenen Maloja Stores aus.

Auch unser Laden und Showroom bleibt lang geschlossen. Mit den Lockerungen erhalten wir mehr Spielraum, um Ideen anzuschieben und umzusetzen.

Die Pushbikers WG in Bad Tölz füllt sich langsam: Als erster findet Laurin Winter seinen Weg dorthin, dann folgen Leon Echtermann und Mikà Heming. Sie helfen im Laden, als dieser wieder geöffnet werden kann. Es gibt viel zu tun, denn während der Online Verkauf glücklicherweise auch während des Shutdowns weiterlief (allen Kunden sei unser Dank ausgesprochen!), macht sich jetzt eines bemerkbar: Radfahren boomt in diesem Sommer 2020. Dass sich noch mehr Menschen dem Radsport zuwenden, kommt auch bei uns an.

Unsere Fahrer bringen sich ein – auch mit eigenen Ideen und Projekten. Besondere Zeiten bringen auch bei Radprofis besondere Ideen hervor. Auf der Suche nach (irren) Meilensteinen. Leon Echtermanns Challenge hieß Anfang Juni: 300 Kilometer mit 300 Watt. Im Juli folgte Moritz Augenstein mit der Herausforderung, über 100 km/h schnell auf seinem Straßenrad zu fahren.

Gemeinsam mit unseren Fahrern erarbeiten wir neue Konzepte für zukünftige Video Tutorials rund um das Thema Material, Pflege, Tipps und Tricks – und bauen, unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen, das Dachgeschoss des Pushbikers Laden zu einer Räumlichkeit aus, in der wir digital arbeiten können. Am Wochenende fährt Teamchef Christian Grasmann mit den lokalen Fahrern auch mal eine Runde Derny Training im Umland.

Ideen gibt es viele. Und es macht uns stolz, dass wir sie zusammen mit unseren Sportlern, den Partnern und Sponsoren ausleben können. Von sportlichen Superlativen über Produkttests, soziales Engagement, unsere Coffee Rides bis zu Kooperationen mit Rennveranstaltern.

Unser Team verbindet die tiefe Liebe zum Radsport. Was wir aber in den vergangenen Monaten noch viel stärker dazu gewonnen haben: die Gewissheit, dass der Radsport das Leben bereichert und auch verändern kann.

Wir sind glücklich, wenn es wieder Rennen gibt und die Möglichkeit, als Team aufzutreten, an die eigenen Grenzen zu gehen und sich mit anderen zu messen. Und gleichzeitig möchten wir weiter an Ideen arbeiten, die unsere Leidenschaft für Radfahren transportiert und die wir mit euch teilen können. Als Lebensgefühl ist Radfahren nicht nur für den Einzelnen von individuellem Wert, sondern erst in der Gemeinschaft richtig groß.

Lasst uns weiter an das Große glauben! #beapushbiker

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I Photoreportage Stillstand von Urs Golling I

I Weitere Photos von Urs Golling, Maloja und ExpaPictures I

 

Unser Dank geht an Hannes, Sebastian, Maxi, Rupert, Martina, Urs, Anne, Martin H., Martin S., Willi, Basti, Yannik, Kilian, Leon, Mikà, Laurin und unsere Fahrer.

Und an unsere Partner, die an unserer Seite stehen, sowie alle treuen Kunden des Pushbikers Shops.

 

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