Styrkeproven – Trondheim Oslo : Die Kraftprobe

 

Wer an die Maloja Pushbikers FEM’s denkt, denkt vermutlich vor allem an Fixie Rennen. Keine Bremsen, keine Schaltung, viele Kurven und schnelle kurze Rennen. Dass wir auch etwas anderes können haben, Betti und Sofie kürzlich wieder bewiesen. In Norwegen.

Styrkeproven – Trondheim Oslo. In Zahlen heißt das: 540 Kilometer,  rund 4000 Höhenmeter.

 

______________________________________________

______________________________________________

 

 

Vor gut einem Jahr, vermutlich auf einer zu langen Autofahrt zu einem Rennen, waren wir wie immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Norwegen, Midsommer, ganz lange Radfahren – klingt gut! Also haben wir uns einfach kurzerhand angemeldet.

Und weil die Vätternrundfahrt (ein 300km Marathon um den zweitgrößten See Schwedens) am Wochenende davor stattfindet, haben Sofie und ihr Papa entschieden, diesen noch als „kleine Vorbereitung“ mitzunehmen. Das heißt erst der 300km Marathon in Schweden, dann mit dem Camper nach Trondheim fahren und von dort 540km nach Oslo. Betti kommt mit dem Flieger direkt nach Trondheim. Der Plan war schnell gemacht.

 

 

Wie bereitet man sich vor?

Da wir, wenn wir nicht gerade arbeiten oder studieren, sowieso nicht viel anderes machen außer Sport, hat sich auch mit diesem Sommerplan im Hinterkopf nicht all zu viel verändert. Vielleicht sind wir die ein oder andere Grundlageneinheit mehr gefahren, aber das musste reichen.

Je näher der Tag kam, desto mehr Erfahrungsberichte haben wir gelesen. Halluzinationen, extreme Kälte, 400km im Regen, Stürze – man konnte jede Horrorstory finden. Und beim Blick auf den Wetterbericht haben wir auch das Schlimmste erwartet. Eine Woche vor dem Rennen hieß es: 24h Regen und 10 Grad in Trondheim. Auf der Packliste standen also ALLE warmen Radsachen, die wir nur finden konnten.

Die 300km in Schweden liefen super, dafür wurden die Wettervorhersagen für Norwegen immer schlechter.

Ein paar Tage hatten wir aber noch, und die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Und tatsächlich! Am Tag vor dem Rennen sah es schon deutlich besser aus. Immer noch Regen am Start, aber Richtung Oslo sollte das Wetter besser werden. In Trondheim angekommen haben wir uns erst mal Regenüberschuhe, Ersatzbeinlinge und Regenschutz für den Helm gekauft. Glücklicherweise hatten wir den Camper als „Begleitfahrzeug“ dabei und konnten so Wechselklamotten einpacken.

 

 

 

Der Tag des Rennens

Man kann sich das so vorstellen: Man ist im Campingurlaub, das Wetter ist durchwachsen, man geht in die Stadt, Cafe trinken, Nudeln essen und da man eh etwas müde ist geht’s früh zurück in den Camper. Draußen wird es kühler, die Wolken werden mehr und drinnen ist es schön warm und gemütlich – perfekter Abend zum früh schlafen gehen. Der einzige Haken – 21 Uhr ist START – und das nächste mal schlafen werden wir erst in 24h.

Die Aufregung und Freude stieg aber minütlich, denn die Uhr tickte. Kurz vor dem Start noch schnell alle Wechselklamotten parat legen und entscheiden mit welchem Outfit man für 540km wohl startet.

Durch unsere Aufregung begaben wir uns früher an den Start. Kreuz und quer durch Trondheim auf der Suche nach dem Start, machte uns das Puplikumkurz stutzig – sind wir hier richtig? Soldaten mit normalen Rädern, 70 jährige „Opis“, einer mit Zeitfahrhelm und Einteiler, Hausfrauen. Man konnte wirklich alles sehen. Ob wir wohl unter den Leuten eine Gruppe finden, mit der wir zusammen fahren können?

Unsere Taktik: „schau ma mal wie`s läuft“ und „Das A und O ist, dass wir Gruppen finden wo wir uns in Windschatten hängen können“

Fast hätten wir den Start übersehen, weil wir die Kommentatoren auf Norwegisch nicht verstanden haben. Mit gut 90 anderen Starten ging es dann um 21 Uhr auf die Reise. Die ersten Meter versuchten wir gemütlich mit der Gruppe durch Trondheim durchzufahren. Doch Sofie wurde schon ganz ungeduldig in der Gruppe – „in Schweden sind die Gruppen mit 40 km/h dahin gefahren – wenn wir so weiter machen kommen wir ja nie an“. Sobald wir aus der Stadt draußen waren Arbeiteten wir uns also immer weiter vor – bis wir plötzlich umschauten und alleine waren.

Da wir die erste Startgruppe waren, dauerte es nicht lange bis wir merkten, dass wir GANZ vorne waren. Wir führten sozusagen den Marathon an. Mit Begleitfahrzeug vorne und Motorrad hinten. So ging es erst einmal dahin, ab und zu kamen Gruppen, bei denen wir uns in den Windschatten hängten. Es dauerte nicht lange und es fing immer stärker an zu regnen. „Gott sei dank geht es Bergauf“. Die Finger wurden immer kälter, die Zehen spürten wir sowieso nicht mehr, aber die Stimmung war gut. Die erste Verpflegungsstation mit warmer Rinderbrühe rettete uns. Sieben Stunden und 170 km dauerte es, bis der Regen aufhörte und die Straße langsam trocken wurde.

 

 

Wie viele Fahrer hatten wir ein Begleitfahrzeug dabei „ohne umziehen wäre es schrecklich gewesen“. Trockene Klamotten, eine unglaublich schöne Landschaft (ein Höhenzug in einem Skigebiet) und die Sonne, die langsam über die Bergspitzen lies uns fast vergessen, dass wir noch lange nicht am Ziel sind.

Anders als erwartet gab es wenige Gruppen, mit denen man fahren konnte. Einen Großteil der Strecke fuhren wir zu dritte. Von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation, manchmal alleine, manchmal mit Gruppe. Ca. alles 50km gab es einen Stop mit Suppe, Broten, Kaffee, Säften und undund. Wenn wir Glück hatten hat Sofie`s Mama auch noch Waffeln oder Kuchen bei Cafes am Weg gekauft. Je weiter wir Richtung Oslo fuhren, desto wärmer wurde es. Die Zeit verging wie im Flug, teilweise auch weil man halb schlafend am Rad gesessen ist.

Ungefähr 150km vor dem Ziel hat uns mal wieder eine Gruppe überholt, es waren Deutsche und Schweizer. Da man ja irgendwie im gleichen Boot sitzt, haben wir uns mit ihnen angefreundet. Das war unsere Rettung. Beim letzten Stop gab es hausgemachten Rhabarbersaft, der uns noch einmal Kraft für die restlichen Kilometer gab. Es wurde Druck gemacht, alle wollten ins Ziel kommen. Die Strecke war abwechslungsreich mit kleinen Hügeln. Die letzten 30 Kilometer durften wir auf der Autobahn fahren, wo ein ein Streifen abgesperrt war. Was für ein Erlebnis –  eine Autobahn, nur für uns abgesperrt. Unsere Gruppe versuchte, bis zum Ziel schnell durchzufahren, und das gelang uns auch: Nach genau 18 Stunden 25 Minuten Fahrzeit erreichten wir das Ziel. Überglücklich, aber dennoch fraglich, ob das denn schon alles war. Was kommt denn nun als nächstes?!

 

______________________________________________

______________________________________________

 

 

Kommentare
Share
Pushbikers Office

HOME
NEUES
ÜBER UNS
BAHN
STRASSE
SHOP
PRESSE
PARTNER