Fixed Nations Cup – oh là là

 

Samstag Nachmittag auf dem Flugplatz von Dijon. Es sind 30 Grad im Schatten, dazu geht fast kein Wind – stehende Hitze. Es ist einer dieser Sommertage an denen man normalerweise versucht möglichst regungslos über den Tag zu kommen um dann am Abend den aktiven Teil unter erträglichen Bedingungen nachzuholen. Nur für uns soll es heute ganz anders kommen: das Criterium des Fixed Nations Cup’s steht an, die “nicht mehr ganz so inoffizielle” Weltmeisterschaft im Fixed Crit fahren, oder auch: das heißeste Rennen unserer Saison – im wahrsten und doppelten Sinne des Wortes.

 

 

Aber wie kommen wir überhaupt hierher und warum tragen wir nicht unsere hübschen neuen Maloja Pushbikers Fem Lotus-Trikots?! Der Fixed Nations Cup ist das erste Fixie-Rennen bei dem die Teilnehmer als Nationalmannschaft, d.h. im extra für diese Veranstaltung gestellten Nationaltrikot bzw. Zeitfahranzug, für ihr Land antreten. Dafür musste man sich über die ganze letzte Saison (2018) in ausgewählten internationalen Rennen qualifizieren, d.h. Punkte für Platzierungen sammeln, und die Top 5 der Gesamtwertung jedes Landes wurde anschließend nach Dijon eingeladen. Ja genau, wir – das sind Lena, Sofie und Marion – sind unter den besten 5 Fixed Crit Fahrerinnen Deutschlands! Dazu gehören dann noch Tamika vom Rad Pack und Karla vom Team Schindelhauer Gates und zusammen bilden wir den weiblichen Teil des “Team Germany” beim Fixed Nations Cup. Von Freitag bis Sonntag liefern sich die Nationalteams nun in Dijon einen dreiteiligen Showdown in verschiedenen Fixed Gear Disziplinen. Los gings also schon am Freitag, und zwar mit einem Zeitfahren.

 

 

Freitag – Team “Manamana- bidibidibi”

 

Am Freitag vormittag übten wir zum ersten Mal gemeinsam Zeitfahren. Gar nicht so leicht wenn man zu fünft ist und vorher nicht so wirklich die Gelegenheit hatte zusammen zu trainieren. “Schneller”.. “hopp!”.. “kürzer!”..”Nicht so schnell das Tempo anziehen!” Wir brauchten einfache Kommandos um uns während des Rennens zu verständigen. “Wenn Karla vorne ist könnte Sie “Manamana” rufen und der Rest dahinter dann jeweils “bidi” -“bi” -“dibi” um zu kommunizieren dass alle dran sind“, blödelten wir rum und “Manamana- bidibidibi” wurde von nun an zu unserem Motivations-Team-Spruch.

Die Stimmung war ausgelassen und trotzdem waren wir hochmotiviert. Wir waren eines der wenigen Nationalteams welches am Freitag mit 5 relativ ähnlich starken Frauen an den Start ging, da sollte doch was für uns zu holen sein, oder?!

Die Strecke führte in einem Dreieck über die Landebahnen des Flugplatzes von Dijon und war ca. 7.5km lang. Keine (richtigen) Kurven, keine Anstiege, aber dafür Gegenwind auf einer der ca. 2 km langen Geraden. Unser Start war unruhig aber kurze Zeit später hatten wir uns gefangen und rauschten mit Vollgas in die gefühlt unendliche Weite. Wir gaben alles und arbeiteten bis zur Hälfte perfekt zusammen. Dann gaben die ersten nochmal kurz ein bisschen mehr und gingen dann raus, denn es mussten für die Wertung nur zwei ins Ziel kommen. Auf den letzten zwei Kilometern blieben nur Karla und Sofie übrig und kämpften hart bis zum Schluss, vor allem mit sich selbst. Am Ende hieß es Platz 3 für uns gegen Frankreich auf 2 und Kanada auf 1. Ein super Ergebnis, was wir bald noch mehr zu schätzen wissen würden.

 

 

Samstag – der Fixed Crit Showdown

 

Die Crit-Strecke vom Samstag war wahrlich einer Fixed Crit Weltmeisterschaft würdig: Ein technischer Anfang mit einer dreifachen Haarnadelkurve, dann ein windiges, einfach kurviges Stück und zum Schluss eine lange Gerade mit Rückenwind. Es war für jeden was dabei, einziger Nachteil: den perfekten Gang für dieses Rennen gab es nicht. Entweder man fährt einen kleinen Gang, mit dem man gut durch die Kurven kommt, sich aber auf der langen Geraden den Wolf kurbelt, oder man fährt einen dicken Gang mit dem man auf der Geraden Vollgas fährt, aber dann in den Kurven drücken muss. Alternativ kann man auch irgendwas dazwischen fahren, womit man die ganze Zeit ein bisschen leidet. Das übliche Gänge Umschrauben vor dem Rennen war dieses Mal besonders knifflig.

Kurz vor 6 ging es dann los. Die Startpositionen ergaben sich nach den gesammelten Qualifizierungspunkten der letzten Saison. In der ersten Reihe stand Karla, dann Lena, Sofie und in der 4ten Reihe Marion und Tami.

10,.. 5, 4, 3, 2, 1, Go! Vollgas! Und dann gleich wieder Voll-Bremsen bevor es in die erste Haarnadelkurve ging. Sofie und Karla kamen super weg und Tami schaffte es sich gleich nach ersten Haarnadelkombination nach vorne zu sprinten. Marion und Lena wurden etwas nach hinten gespült, was dazu führte dass sie nach jeder technischen Passage wieder hart antreten mussten. Nach knapp der Hälfte des Rennens mussten kapitulieren, ließen abreißen und fuhren das Rennen mit einer Verfolgergruppe weiter bis sie vom Führungs-Motorrad rausgenommen wurden. Kurz vorher stürzte Karla noch in einer der Haarnadelkurven, sodass nur Sofie und Tami noch im Rennen waren.

Die Führungsgruppe hatte sich mittlerweile in zwei Einzel-Ausreißerinnen, ein Ausreißer-Duo und das Hauptfeld aufgeteilt. Margaux Vigie, allen voran, überrundete dann zunächst das Feld und anschließend auch das Ausreißer-Duo. Eine wahnsinns Show und irre starke Leistung – das hat die Fixed Gear Welt noch nicht gesehen! Tami und Sofie sprinteten im Feld ins Ziel und wurden 10te und 14te, was leider insgesamt zusammen mit den anderen Team-Plazierungen knapp nicht mehr für ein Podium in der Teamwertung reichte, wie schade!

Trotzdem führte uns das Niveau des Rennens eindrucksvoll vor Augen, wie stark unsere Konkurrenz (insbesondere im Zeitfahren) tatsächlich ist.. was uns umso stolzer auf unseren Erfolg vom Vortag machte.

Der Abend endete mit der After-Party direkt auf dem Renngelände. Vor den Hangars des Flugplatzes wurde eine Bühne mit fetter Anlage und DJ aufgebaut. Dazu eine Bar mit frisch gezapftem Dijoner Bier. Es dauerte eine Weile bis alle Fahrer und Zuschauer zusammen kamen, aber nach ein paar Stunden war der Platz vor der Bühne von Menschen gefüllt, es wurde ausgelassen gefeiert und getanzt.

Aber moment mal: War nicht gleich morgen früh schon wieder das nächste Rennen? Ein 1,7 km Bergsprint mit Fixies? Ja stimmt! Aber wir waren ja hier auf einem Fixed Gear Event, da gehören Feiern und Rennen fahren auch irgendwie zusammen. Wir tranken noch einen Absacker und schafften dann den Absprung.

 

Sonntag – Bergrennen mit einem Gang: total bescheuert!

 

Um 9:30 am nächsten Morgen hatte sich eine beachtliche, trotz potentieller Verkaterung und dicker Beine motivierte Menge Fahrer am Fuße des zu erklimmenden Hügels angesammelt. Mit durchschnittlich 8% sollte es 1,7 km lang bergauf gehen, ohne zu schalten, selbstverständlich. Wir fuhren die kleinsten uns zur Verfügung stehenden Gänge (irgendetwas um die 48/19~2,5), was sich im Nachhinein jedoch als immer noch viel zu dick herausstellte. Wir gaben nochmal alles, aber die Berg-erfahrene Konkurrenz mit noch wesentlich kleineren Gängen, ließ uns im wahrsten Sinne des Wortes stehen – wieder kein Podium für uns an diesem Tag, merde!

Zum Abschied gab es dafür noch ein Foto mit allen Teilnehmerinnen des letzten Rennens. Verschiedene Nationen, bunt durcheinander gemischt, freuten sich gemeinsam über ein so schönes, harmonisches und für alle erfolgreiches Rennwochenende. Der Fixednationscup wurde zum Mixednationscup und dann hieß es auch bald schon “Au revoir” und Küsschen-rechts-Küsschen-links”, denn vor uns lag noch der 7(München)-9(Hamburg) stündiger Heimweg.

 

 

_____________________________________

 

Photos: Rebecca Biehl

_____________________________________

 

 

 

Kommentare
Share
Pushbikers Office

HOME
NEUES
ÜBER UNS
BAHN
STRASSE
SHOP
PRESSE
PARTNER