„Ich glaube, dass sich die Puzzleteile immer besser zusammenfügen“

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Die besten Abenteuer gehen nie zu Ende. Sind die Pushbikers so etwas für Dich?

Die Pushbikers sind für mich unendlich, eine Lebenseinstellung. Sie sind Hobby und Beruf zugleich. Viel Freude, aber auch viel Arbeit. Vor allem aber habe ich sehr viel gelernt.

Das Bendigo Madison im März war dein offiziell letztes Rennen. Du bist einmal im mönchsroten Trikot der Pushbikers an den Start gegangen. Wie hattest Du Dir dein letztes Rennen vorgestellt?

Ich wollte mich natürlich vom Podium verabschieden und das Feuerwerk genießen. Das Trikot anziehen, das mir die Veranstalter gemacht hatten und vor vollem Haus eine Ehrenrunde drehen… die hatte ich dann mit Standing Ovations im Krankenwagen.

Wie sah dein Alltag nach der Rückkehr von Australien erst einmal aus?

Erst einmal ging es schlicht und ergreifend darum, Heim zu kommen. Nach der Erstbehandlung, viel Papierkram und Überzeugungsargumenten im Krankenhaus hatte ich schließlich eine Freigabe, zu fliegen. Von den Stunden im Flieger habe ich nicht viel mitbekommen, so kaputt war ich. Schon in Bendigo habe ich mit Dr. Stefan Hinterwimmer gesprochen und 24 Stunden später war ich in Deutschland bei Orto Plus in der Praxis. Das Ergebnis: Brüche und Schultergelenksprengung. Wir mussten die Wunden und inneren Blutungen heilen lassen, dann wurde operiert und 8 Tage später war ich – aus ärztlicher Sicht – wieder fast ganz.

Kann man etwas lernen, wenn man quasi gezwungen ist, „Ruhe zu geben“?

Man lernt, dass man ganz schön aufgeworfen ist. Bei jeder Kleinigkeit. Und dass es super wichtig ist, im Sport eine Versicherung zu haben, die sich auch mit so einem Schaden auseinandersetzt.

Man lernt es noch viel mehr zu schätzen wenn einem geholfen wird. Daher auch noch ein ganz großer Dank an Maxi, Max, Tom, Martin S., Quirin, Valentin, Vinzent, Anian, Anne, Martina, Willi, Martin, meine Eltern und Hannes für die vielen vielen Stunden, die ihr für mich da gewesen seid.

Du bleibst der geistige Vater der Maloja Pushbikers – oder sollten wir Dich jetzt „Manager“ nennen? Vielleicht kannst Du uns beschreiben, was Du vorhast und welche die nächsten Schritte für die Pushbikers sind.

Ich möchte die „Marke“ weiter stärken, das, wofür wir stehen. Dafür hat uns bisher u.a. eine Adresse, ein Ort, eine Heimat gefehlt. Unser Pushbikers Headquarter als ein Punkt, an dem wir in den letzten Wochen gearbeitet haben und worüber wir in Kürze nähere Informationen geben werden.

Du warst totaler Quereinsteiger im Radsport, hast nie in das typische Karriere-Schema eines Profisportlers gepasst und auch beim BDR attestierte man Dir in jungen Jahren wenig Erfolgschancen. Was genau hat Dich motiviert?

Genau das, was ich damals schon kritisiert habe. Der Radsport ist in vielerlei Hinsicht so altbacken, langsam, träge und unflexibel. Eigentlich eine Massensportart, eine breite und vielschichtige Bewegung – aber leider ohne gute und zukunftsorientierte Organisation. Das hat mir misfallen und hat mich gleichzeitig motiviert. Ich wollte selbst gut Rad fahren und vor allem auf der Bahn, die ich so liebe, erfolgreich sein, auch außerhalb des BDR Zirkels. Aber ich wollte auch eine Team-Dynamik aufbauen, eine Gruppe von Freunden, die als eine Art Gegenbewegung etwas persönliches und cooles aufbauen. Die Pushbikers eben.

“Solo Pro Tour” (nur Pro Tour) war die Antwort, die wir als kleines Team am Anfang so oft gehört haben bei der Anfrage um Förderung. Diese Worte werden mir ewig in Erinnerung bleiben. Heute würde eine dieser Firmen gerne mit uns zusammenarbeiten. Wir aber nicht mit ihnen.

Gibt es so etwas wie „Schicksalsmomente“ in den vergangenen Jahren, an denen sich vielleicht für Dich Weichen gestellt haben oder Du auf einmal wusstest: das ist der Weg?

Ich bin oft und immer wieder gegen Wände gelaufen und habe mit offenem Visier gekämpft. Ab und zu wollte die Wand nicht stürzen und ich musste einen Weg um die Mauer finden. Vielleicht waren das sogar die besten Momente. Enttäuschungen, Krankheiten zum falschen Zeitpunkt, alles das sind Faktoren, die mir mehr Geduld gegeben haben. In den letzten Jahren habe ich das Gefühl, dass sich die Puzzleteile immer besser zusammen fügen – vielleicht ebnet sich ein Weg auch selbst, wenn man ihn einmal gut angelegt hat.

Wo soll der Weg für Dich und die Pushbikers noch hinführen?

Wenn ich das nur wüsste…. Wir haben letztlich keine Grenze, keine Limitierung. Wir haben ein Ziel: unsere Philosophie mit Gesichtern, Emotion, Leben, Geschichten zu füllen.

 

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