Das Transcontinental Race – ein Rennen für starke Köpfe

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Unsere Fem-Fahrerin Marion ist zurück von einem ganz besonderen Rennen: Das Transcontinental Race – 15 Tage, 00 Stunden und 27 Minuten, 3924 Kilometer mit 34753 Höhenmetern. Einmal quer durch Europa. Dabei ist sie eigentlich alles andere als eine Ultradistanz-Fahrerin. Fixed Crits, wie z.B. Red Hook, Vollgas fahren auf kurzen, engen Rundkursen, das ist normalerweise ihr Ding.  

Was das Transcontinental Race überhaupt ist, was man außer guten Beinen und dem nötigen Sitzfleisch noch mitbringen muss und wie es für Marion als Ultra-Distanz Anfängerin war, erzählt sie uns hier.

VON MARION DZIWNIK.

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Als mich Johanna Ende letzten Jahres gefragt hat, ob ich mit ihr zusammen als Team beim Transcontinental Race starten möchte, konnte ich nicht anders als sofort zuzusagen. Seit ich zum ersten Mal von dem Rennen gehört habe, träume ich davon da einmal mitzumachen und der Gedanke, mit Johanna gemeinsam daran teilzunehmen, war für mich unwiderstehlich. Auch wenn wir beide mit Ultra-Distanz bis dahin noch nicht so viel zu tun hatten – wir sind Crit-Fahrerinnen, Vollgas auf engen, kurzen Rundkursen ist eigentlich genau unser Ding – haben wir von Anfang an nicht daran gezweifelt, dass wir auch ankommen. Wir wollten bei der Finisher-Party in Meteora dabei sein.

 

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Beim Transcontinental Race geht es aber nicht nur um Radfahren, denn das Rennen wird unsupported gefahren, d.h. keine Begleitfahrzeuge, kein Windschatten, keine Hilfe von Dritten. Die Routen zwischen den Checkpoints muss jeder selbst planen, genauso wie die Verpflegungs- und Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Weg. Nach dem Startschuss läuft die Uhr non-stop und wer als erstes alle Kontrollen abfährt und am Ziel ankommt hat gewonnen. Es ist eine Mischung aus Abenteuer und Rennen, bei der man neben guten Beinen und dem nötigen Sitzfleisch auch organisatorische und koordinative Fähigkeiten, Robustheit und starke Nerven an den Start bringen muss. Dieses Jahr war dieser in Geraardsbergen in Belgien von wo aus es auf den Bielerhöhe Pass (Österreich), nach Mangart Sedlo (Slowenien), auf den Karkonosze Pass (Polen) nach Bjelasnica (Bosnien) und schließlich zum Ziel nach Meteora (Griechenland) ging. Das macht, je nach Routenwahl, knapp 4000 Kilometer und führt durch 16 Länder. Wer, so wie Marion und Johanna, bei der offiziellen Finisher-Party 15 Tage später dabei sein wollte, musste damit ca. 250km mit 2500 Höhenmetern pro Tag zurücklegen.

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Nach dem Start am Sonntag, den 29. Juli, um 22 Uhr in Geraardsbergen sind wir die Nacht und den darauf folgenden Tag durch gefahren. Mit 420 km und 4500 Höhenmetern war das zwar von den Zahlen her die mit Abstand längste und härteste Radtour, die ich je gemacht habe, aber fühlte sich für mich nicht so an. Ich stand so unter Adrenalin, dass ich die Erschöpfung nicht wahrnahm.

Ab dann hatten wir einen genauen Etappenplan, der uns in 15 Tagen – pünktlich zur Finishers-Party – nach Meteora bringen sollte. Im Durchschnitt sind wir damit pro Tag 260 km gefahren und saßen ca 11 Stunden (reine Fahrtzeit ohne Pausen) im Sattel – mit Ausnahme der ersten und letzten Etappe, die waren mit 420 und 320 km (18 und 14 Stunden) nochmal besonders hart. Am Ende ist unser Plan nicht nur aufgegangen, sondern wir waren vor der letzten Etappe sogar schon etwa 50 km im Plus, sodass wir aus den letzten beiden Etappen eine machen konnten und einen Tag früher als geplant im Ziel waren. Damit sind wir das erste Frauenteam in der Geschichte des Transcontinental Races was es in der vorgegebenen Zeit ins Ziel geschafft hat.

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Und wie war es nun? Anstrengend! Für die Beine? Ja auch, aber interessanterweise gewöhnte sich mein Körper und Stoffwechsel nach nur wenigen Tagen an die Belastung und von da an war es fast nur noch Kopfsache. Man ist die ganze Zeit fokussiert, insbesondere in der Zeit in der man nicht auf dem Rad sitzt. Schnell essen, wenig schlafen, jede Pause so effizient wie möglich nutzen und bloß keine Zeit verschwenden – und das über 15 Tage. Ich muss zugeben, dass die mentale Belastung größer war als ich es mir vorgestellt hatte. Aber die Motivation es zu schaffen war am Ende größer.

Das Transcontinental Race war eine besondere Erfahrung für mich. Eine Reise zu den unbekannten Kapazitäten meines Körpers, die mich weit aus meiner Komfortzone herausgebracht hat, um etwas Neues über mich selbst herauszufinden: die Art der körperlichen Belastung liegt mir und es würde mich reizen, herauszufinden, wie weit ich im richtigen Rennmodus bei so einem Rennen kommen könnte.

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Es kann also weiter gehen?! Liebe Marion, wir werden das verfolgen…

Infos zum Transcontinental Rennen gibt es HIER.

 

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