Wenn der „Zwerg“ alleine in New York ist

 

Tourispaß und ein 16. Platz, trotz Crash. So lässt sich das Red Hook New York für Maloja Pushbikers Fahrerin Lena zusammenfassen.

Ein Reiseblog

VON LENA VOGL

 

Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht. Vor zwei Jahren hatten Sofie und ich die Idee ein Team zu gründen und jetzt stand ich schon das zweite mal in Brooklyn an der Startlinie.
Leider alleine, da die anderen Fem Fahrerinnen arbeiten mussten oder Uni hatten. Aber davon ließ ich mich nicht abhalten und bildete zusammen mit Tamika Hingst, einer weiteren deutschen Fahrerin, eine WG mitten in Brooklyn und somit das #TeamGermany.

Die Vorfreude war groß, am Flughafen New York angekommen hieß es dann erst einmal, die richtigen U-Bahn Linien zu finden… ich stieß auf viel Hilfsbereitschaft bei den Leuten um mich herum, an jeder Treppe wurde mir geholfen, das Rad hoch und runter zu tragen, und sie brachten mich teilweise sogar an die richtige U-Bahn Station.

Die Tage bis zum Rennen verbrachten wir mit Sightseeing. Auf der To-Do Liste standen Sehenswürdigkeiten wie der Times Square, Brooklyn Bridge, das Empire State Building …aber auch die abgelegenen und ärmeren Gegenden ließen wir nicht aus. Und das natürlich alles mit dem Fixie – unser ständiger und treuer Begleiter.

Und ja, das Coolste in New York waren eigentlich die Kilometer auf dem Rad mitten durch die Stadt. An jeder Ampel hieß es entweder noch schnell drüber kommen, oder einfach skidden (so wird das Kontern bzw. der Bremsvorgang mit einem Fixie genannt). Zwischen den Autos vorbei mogeln, über Bordsteinkanten springen, nebenbei noch eine Instagram Story machen. Ein cooleres Erlebnis gibt es für mich eigentlich nicht. Wie in einem Film, in dem ein Fahrradkurier wild durch die Stadt fährt. Und dabei trifft man andere Radfahrer, die man bei den letzten Rennen kennen gelernt hat, geht zusammen Kaffee trinken, tauscht sich aus und genießt die Zeit im Big Apple.

 

 

Am Samstag dann das Rennen

Das Red Hook Crit in Brooklyn – Teil der Red Hook Crit Serie. Man könnte sagen, der „Weltcup unter den Fixed Gear Rennen“. Die Szene wird von Jahr zu Jahr populärer und die Fahrer stärker.
Die Eindrücke waren erneut einzigartig- die Stimmung, die Zuschauer, die vielen Fotografen und auch das Rennen selbst. Es ist unglaublich, wenn man realisiert, was man da gerade erlebt. Ein Rennen mit Rädern ohne Bremsen, vor der Skyline von New York, mit Blick auf die Freiheitsstatue und tausenden jubelnden Zuschauern.

 

Knapp 100 Frauen waren gemeldet, darunter echt gute Fahrerinnen. Meine größte Sorge war nicht das Rennen selbst, sondern dass ich nicht schnell genug in die Pedale komme und somit Plätze verliere. Jeder hat vor so einem Rennen andere Sorgen.

Gefahren wurde erst eine Qualifikation, in der sich die ersten 30 Fahrerinnen direkt fürs Finale qualifizierten. Für die, die dies nicht schafften, gab es noch ein Last Chance Rennen.

 

Schon die Quali war schnell, aber ich hatte einen guten Tag, die Beine fühlten sich einfach perfekt an. Das Rennen konnte ich dann als Siebte beenden, worüber ich richtig glücklich war, und zog somit ganz relaxed in das Finale ein.

Tradition bei den Red Hook Rennen ist es, dass alle Fahrer zuerst eine Ehrenrunde drehen, um die Stimmung noch einmal richtig anzuheizen. Danach folgt die Startaufstellung. Auch wenn das jetzt schon mein viertes Red Hook ist, ich bekomme jedes mal eine Gänsehaut.

Dann der Countdown. 1min. 30sec. 10sec. … Go! Alle starten gleichzeitig und der Kampf um die Positionen ist eröffnet. Und ja, auch Mädels können die Ellenbogen ganz schön ausfahren!
Dank der guten Qualiplatzierung gelang es mir, nach ein paar Metern gleich an eine der vordersten Positionen zu fahren. Und den Platz gab ich dann auch nicht mehr her. Das Rennen war extrem schnell, es wurde fast nur in Einerreihe gefahren. Ab dem Start gab es ständig Attacken und das Feld war keine Sekunde lang langsam. Ich dachte mir nur „lieber vorne verrecken als hinten verstecken und eine Attacke zu verpassen“. Die Spitzengruppe, in der auch ich vertreten war, wurde von Runde zu Runde kleiner, bis in der letzten Runde nur noch 16 Mädels von knapp 100 übrig waren.

In der letzten Kurve lautete meine Entscheidung: Vollgas rum, einige Positionen gut machen, im Windschatten verstecken und dann im Sprint noch mal alles geben. Mein Plan ging leider nicht ganz auf. Die Straße war nass, ich rutschte weg und flog erst einmal ein paar Meter. Pech gehabt, aber ich war selbst schuld, hatte einfach zu viel riskiert. Zum Glück ist nicht all zu viel passiert. Mit ein paar Schürfwunden und demoliertem Finger konnte ich gleich wieder auf mein Rad steigen und die letzten Meter bis ins Ziel noch vor dem Hauptfeld beenden.

 

Ein 16. Platz hört sich zwar im ersten Moment nicht perfekt an, aber es könnte schlimmer sein. Und ganz wichtig: Die Afterparty war genial. Alle Fahrer von den unterschiedlichsten Teams und Nationen feierten gemeinsam. Es wurde gelacht, getanzt, und auch das „ein oder andere“ Bier getrunken. Das ist es was die Szene ausmacht. Man gibt gemeinsam Gas, kämpft im Rennen gegeneinander, gratuliert sich danach und geht gemeinsam feiern.

 

Und genau das macht unser FEM Team irgendwie auch aus. Wir sind alle ganz normale Mädels, die fünf Tage die Woche arbeiten oder in die Uni gehen, danach noch trainieren und nebenbei noch unser Team managen. Ab Freitag Abend fängt dann immer unser FEM Wochenende an und wir sind wieder alle vereint – bis Sonntag in der Nacht, denn Montag in der Früh geht der Alltag wieder weiter.
Warum wir das alles machen? Weil wir es lieben und riesigen Spaß dabei haben, den Radsport mit unglaublichen Erlebnissen zu verbinden.
#itsfemstyle

 

 

//

Pictures by Drew Kaplan Photography.

//

 

Kommentare
Share
Anne

HOME
NEUES
ÜBER UNS
BAHN
STRASSE
SHOP
PRESSE
PARTNER